Nachdenkliches und persönliches...

Es sind die Begegnungen mit Menschen,
die das Leben lebenswert machen.
(Guy de Maupassant)


Jetzt wird es etwas privater. Und es gibt keine Bilder.

Ich hatte heute meinen letzten Schultag. Der ist für mich immer etwas melancholisch, weil immer auch ein Abschied dabei ist. Manchmal geht meine eigene Klasse, manchmal eine nette Referendarin, manchmal eine liebe Kollegin. Da muss ich immer heulen. Ich mag Abschiede einfach nicht. Besonders die Kinder wachsen einem schon ans Herz. Jedenfalls mir. 

Aber heute war der Abschied ein anderer. Ich habe im letzten Halbjahr Schüler aus 4 Nationen versucht die deutsche Sprache beizubringen. Das war schwierig, hat aber so viel Spaß gemacht. Und ich habe von ihnen ebenfalls viel über ihre Länder und Lebensweisen erfahren, vieles mit Händen und Füßen. Noch nie hatte ich so wissbegierige, fleißige Schüler. Sie kamen aus Syrien, Indien, Thailand und Mazedonien. Jeder mit seiner eigenen Geschichte (Krieg, Verfolgung...)
Heute zum Abschluss habe ich jeden nach Hause gebracht. Bei einer Familie wurde ich so herzlich empfangen und sie haben sofort angefangen wer weiß was aufzutischen! Mit den Eltern kam ich näher ins Gespräch. Sie haben mir ihre Geschichte erzählt und dass sie nicht wissen, ob sie nach den Ferien noch da sein werden... Das ist mal ein Abschied!
Ich sitze also hier und bin ziemlich nachdenklich. Ich gehe wieder an meine Stammschule zurück und unterrichte nach den Ferien die Klassen 1-4. Für mich war der Abschied sowieso endgültig, obwohl ich sehr gerne weiter gemacht hätte. Diese Schüler lachen zu sehen und Spaß zu haben war ein riesiges Geschenk. Sie alle haben Schreckliches erlebt, gesehen, gehört und gerochen. Und zu wissen, dass viele nicht bleiben können und ich nicht helfen kann, man selbst so machtlos gegenüber Bürokratien und Ämtern ist macht mich unendlich traurig und den Abschied ziemlich schmerzhaft...
Ich bin so dankbar hier in Deutschland geboren worden zu sein und hier leben zu können, ganz besonders als Frau.

Aber nun muss ich aufhören und an etwas anderes denken. Schließlich ist das Leben ja schön, in all seinen Facetten. Ich wollte und musste das aber einfach mal loswerden!



Kommentare

  1. Liebe Nicole,

    ich möchte Dich am liebsten nun in die Arme schließen und einfach mal drücken.
    Es berührt mich sehr zu lesen das es noch Menschen gibt die mit dem Herzen dabei sind, danke.

    Liebste Grüße,
    Daniela

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  2. Hallo Nicole,
    ich hab deinen Post schon vor ner Stunde gelesen und beim Badezimmer putzen erst mal "sacken" lassen.....nun bin ich noch einmal hier und kann dir aus eigener Erfahrung (ehrenamtliche Arbeit mit benachteiligten Kindern) sagen, dass ich dich sehr, sehr gut verstehen kann. Leuchtende Kinderaugen sind toll!!! Leider kann man nicht allen Kindern helfen, dennoch, sie (und du) hatten schöne und sicher lernintensive Momente in der Schule, die kann niemand nehmen....ich bin immer wieder froh, dass es glücklicherweise viele Menschen gibt, die das Herz am "rechten Fleck" tragen, Initiative ergreifen und sich Gedanken machen.....
    Ich sag mal DANKE dafür und wünsch' dir schöne Ferien- mit viel Sonne, innen und außen:)
    Viele liebe Grüße,
    Corinna

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  3. Moin,
    kein Foto, langer Text? Das muss etwas Aussergewöhnliches sein - und ist es! Ich stimme Dir bei allem von ganzem Herzen zu. Auch gerade, dass es uns hier in Deutschland so super gut geht. Und doch können wir Deutschen so wahnsinnig ausdauernd und laut jammern.
    Liebe Grüße,
    Heike

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  4. Als ich gestern deinen post las, hatte ich nicht genug Zeit darauf ausführlich zu antworten.
    Das will ich heute nachholen.
    Solche Erlebnisse, wie du sie schilderst, machen auch mich immer unendlich dankbar, dass wir hier in Deutschland quasi auf einer Insel der Glückseligen sitzen, um die herum Krieg und Armut herrschen.
    Und gerade, wenn man mit Menschen arbeitet, die Schreckliches erlebt haben, wie deine Schulkinder, dann wird einem das doppelt bewusst.
    Auch ich habe viele Jahre in einer Kita mit Kindern aus Migrationsfamilien zu tun gehabt, viele traurige Geschichten von Fluchten aus Kriegsgebieten und vor wirtschaftlichen Krisen gehört.
    Staunend durfte ich erleben, wie aus einem kleinen Mädchen aus SriLanka, das kein Wort Deutsch sprach und deren Eltern vor den Kriegswirren dort nach Deutschland geflüchtet waren, mit den Jahren im Kiga ein Kind wurde, dass sogar zwischen ihrer Mutter und mir dolmetschte und die heute studiert, denn ich traf sie vor einem Jahr per Zufall , und sie erzãhlte mir, wie gern sie noch an die Zeit bei mir in der Igelgruppe denke.
    Da war sie wieder, die Bestãtigung und Wertschätzung für mich, im pädagogischen Bereich Tätigen.
    Hach, ok, es war doch der richtige Job!
    Dankbar mit Menschen arbeiten zu können, danke ich dir auch für deine nachdenklichen Worte und wünsche dir jetzt wunderschöne Ferien!!
    Liebste Grüsse,
    Monika

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  5. Die Welt wäre so viiiiiel besser , wenn nur einige mehr so denken würden wie Du! Da hast Du mir echt aus der Seele gesprochen...

    Alles Liebe für Dich und alle diese Kinder....

    Elke

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  6. Danke für Deinen einfühlsamen Bericht, der mich sehr berührt hat...

    LG Deine meist stille, regelmäßige Leserin

    Tina B.

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